Bis 7. Juli: Protest in der Provinz

Rotes Haus, Meersburg: 
1968. Bodensee-Oberschwaben und Touraine: Die Studenten- und Jugendrevolte von 1968 war ein internationales Phänomen. Weltweit gingen damals junge Menschen auf die Straße, um für Veränderungen und gegen die bestehenden Autoritäten zu protestieren.


Bekannt sind die Bilder von Demonstrationen und Unruhen in den Großstädten. Aber 68 war nicht nur in Paris, Berlin oder München, sondern auch in der Provinz. Die Ausstellung wagt einen vergleichenden Blick auf zwei weit voneinander entfernt liegende Regionen: die Touraine, mit der Hauptstadt Tours, in Westfrankreich und die Region Bodensee-Oberschwaben. Eine besetzte Rheinbrücke, ein demonstrativer Ausmarsch in die Schweiz, provozierendes Polittheater, ein entnervter Bundeskanzler, Dutschke- und Mao-Bilder in den Klassenzimmern, als Maoisten verkleidete Schüler, so sah der Protest 1968 in der Region Bodensee-Oberschwaben aus. Großdemonstrationen und ein Generalstreik prägten hingegen den Mai 1968 in der westfranzösischen Region Touraine, wo Studenten, Schüler und Arbeiter gemeinsam auf die Straße gingen. Anhand von Fotos, Filmen, Dokumenten, Objekten und Zeitzeugenaussagen bietet die Schau eine Bestandsaufnahme zahlreicher kaum bekannter Ereignisse dieser Zeit, die belegen wie sehr die Protestbewegung auch in den Regionen angekommen war. Zudem wirft die Ausstellung einen Blick auf kulturelle Veränderungen in der Region wie sie in der Musik, der Kunst und in der Literatur sichtbar wurden. Die Ausstellung ist ein gemeinsames Projekt der Archives Départementales d’Indre-et-Loire in Tours, der Universität Tours und des Kulturamts des Bodenseekreises. Dienstag bis Sonntag und feiertags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.
Bildunterschriften:
Die „Maoisten“ vom Überlinger Gymnasium protestieren am „Schmotzige Dunschtig“ 1968 (Foto: Alexander Plappert).
Die Biberacher APO beim Sternmarsch gegen die Notstandsgesetze am 11. Mai 1968 (Foto: Museum Biberach, Untergrundzeitschrift Song 7/1968).
Notstandsdemonstration am 29. Mai 1968 in Konstanz: die Rheinbrücke wird blockiert (Foto: Stadtarchiv Konstanz).

Vom 13. April bis zum 21. Juli: „Ost:Nordost. Kunst in der DDR“

Schloss Achberg zeigt bedeutende Werke aus dem Staatlichen Museum Schwerin
Ost:Nordost, das klingt nach Seefahrt. Der weite Himmel über der Ostsee lädt ein zu einer Entdeckungsreise in die DDR, die für viele in der alten Bundesrepublik aufgewachsene Menschen bis heute rätselhaft bleibt.

Dafür macht Schloss Achberg 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer vom 13. April bis zum 21. Juli seine Tore weit auf für eine der bedeutenden Sammlungen zur Kunst aus der DDR, die Werke aus dem Staatlichen Museum Schwerin.
Über Kunst aus der DDR gibt es heute jenseits ihrer ehemaligen Grenzen ein klares Bild: Das Kunstschaffen in dem „sozialistischen Staat auf deutschem Boden“ sei nie autonom gewesen. Der Staat habe Künstler herausgehoben und gefördert, aber auch umfassend kontrolliert und seinen stilistischen und inhaltlichen Vorgaben unterworfen. Bei genauem Hinsehen muss das so eindeutige Schwarz-Weiß einer Vielzahl an Grautönen weichen. Die Kunstproduktion zwischen 1945 und 1989 in der ehemaligen SBZ und in der DDR kann nicht auf den „Bitterfelder Weg“ und den Sozialistischen Realismus reduziert werden. Sie war viel facettenreicher, umfasste Stilrichtungen wie Abstraktion und Neoexpressionismus, erprobte Ausdrucksformen wie Assemblage und Mail-Art.
Präsentiert werden Werke von über 50 Künstlerinnen und Künstlern, die ihr Oeuvre größtenteils in der DDR entwickelten. Die etwa 100 Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und Plastiken ermöglichen einen eindrucksvollen und erhellenden Einblick in das Kunstschaffen in der DDR zwischen 1949 und 1989. Künstlerpersönlichkeiten wie Gerhard Altenbourg, Kate Diehn-Bitt, Wieland Förster, Sighard Gille, Hermann Glöckner, Lea Grundig, Waldemar Grzimek, Vera Kopetz, Otto Manigk, Wolfgang Mattheuer, Otto Niemeyer-Holstein, Uwe Pfeifer, Theodor Rosenhauer oder Volker Stelzmann stehen stellvertretend für die Spannweite und den Facettenreichtum dieser Kunst.
Öffnungszeiten:
Fr 14 bis 18 Uhr, Sa/So/Feiertage 10 bis 18 Uhr
außerhalb der Öffnungszeiten Führungen nach Vereinbarung
www.schloss-achberg.de

Bis 6. Oktober: Salvador Dalí. Leben und Werk

Städtische Galerie Überlingen: Salvador Dalí zählt zu den populärsten und zugleich rätselhaftesten Künstler- persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung in Überlingen ist die erste große Dalí-Ausstellung in Süddeutschland seit fast 30 Jahren, die sich systematisch der Biogra e und dem Werk von Dalí widmet.


Rund 400 Bilder, Skulpturen, Fotografien, Grafiken, Objekte, Kunstgewerbe, Kleidung und Dokumente werfen einen neuen Blick auf das künstlerische Schaf- fen und den Lebenskünstler Dalí, der sich selbst seinem Publikum stets als Kunst- figur und Performance-Künstler avant la lettre präsentierte.
Leben und Werk von Dalí reflektieren auch die wechselvolle Geschichte Eu- ropas im 20. Jahrhundert. Dalís politische Einstellung und seine Hinwendung zum Surrealismus, mit dem er sich seit 1926/27 in Paris beschäftigte, sind Folgen des Ersten Weltkriegs. Der Spanische Bürgerkrieg versagte ihm 1936, sein Heimatland wieder zu betreten. 1940 floh er vor Nazi-Deutschland aus Frankreich in die USA. Von dort kehrte er 1948 in das von Franco diktatorisch
regierte Spanien zurück. Gezeichnet von den blutigen Erfahrungen der Kriege, bei denen enge Freunde das Leben lassen mussten, fand er zum katholischen Glauben zurück.
Wer war Dalí wirklich? Was kennzeichnet seine psychische Charakterstruktur? Welche sinnbildliche Botschaft verbirgt sich hinter seinem Bart? Und wie konnte Dalí die russische Diva Gala, die von vielen Männern umschwärmt wurde, trotz seiner ständigen hysterischen Lachanfälle erobern? Fragen, auf die es in der Ausstellung Antworten und Erklärungsversuche gibt.
Dalí-Museen existieren nicht nur in der katalanischen Heimat des exzentrischen Künstlers, sondern auch in Berlin, Paris, Venedig (bis 2013), St. Petersburg und Florida. Mit dieser Ausstellung erhält nun auch Überlingen acht Monate lang ein „Dalí-Museum auf Zeit“.
Städtische Galerie Überlingen · Landungsplatz / Seepromenade 2 Kasse Telefon: 07551 991074 · www.staedtischegalerie.de