bis 6. Oktober: Thomas Schütte

Plump und schwerfällig hockt es auf dem Asphalt. Die Skulptur Drittes Tier (2017) des Bildhauers Thomas Schütte ist ein Untier mit dem Kopf eines Pferdes, der Nase eines Tapirs, Flossen und Schwanz einer Robbe. Aus seinen Nüstern schnaubt es Wasserdampf.

Inspiriert wurde Schütte von kleinen Tonfiguren, die der Künstler für seine Kinder angefertigt hat. Dieses groteske Wesen, platziert auf dem Karl-Tizian-Platz vor dem Kunsthaus Bregenz, ist eine von drei kolossalen Skulpturen, die im öffentlichen Raum anlässlich seiner Sommerausstellung im KUB in Bregenz aufgestellt sind. Die anderen beiden Skulpturen verkörpern Männer, deren Füße im Schlamm stecken. Die Männer im Matsch (2018) sind in ihren Sockeln gefangen. Die beiden Figuren gehen in ersten Versionen auf die frühen 1980er Jahre zurück. Der eine, ernst und aufrecht, hält eine Fahne in der Hand, die mutlos herabhängt. Der andere trägt eine Jakobiner-mütze auf dem Kopf, das Zeichen der Französischen Revolution, jedoch hat er kein Gesicht. Stattdessen hält er es in der rechten Hand, wie Perseus das Haupt der Medusa oder ein Märtyrer, der eine seltsame Hinrichtung erlitt. »Suchende« seien sie, erklärt Thomas Schütte.
Im Kunsthaus Bregenz zeigt Schütte eine Auswahl seiner architektonischen Modelle. Die gestapelten Zylinder, Tonnengewölbe oder geschlossenen Kuben erinnern an Entwürfe der französischen Revolutionsarchitektur oder an modernistische Pavillons.
www.kunsthaus-bregenz.at

bis 6. Oktober: Roh.Stoff.Papier - Papierherstellung in Ravensburg

Museum Humpis-Quartier, Ravensburg: Unsere Art der Kommunikation und unsere Gesellschaft ändern sich durch die Digitalisierung tiefgreifend. Das bis vor wenigen Jahrzehnten wichtigste Medium scheint dabei dem Untergang geweiht: Papier. Billiger als der traditionelle Beschreibstoff Pergament und massenhaft herstellbar, löste Papier vor über 600 Jahren jedoch eine ähnliche mediale Revolution aus.


Das Papier wurde im alten China des 1. Jahrhunderts v. Chr. erfunden und trat von dort seinen langsamen Siegeszug nach Westen an. Die erste Papiermühle im heutigen Deutschland wurde 1390 durch einen Kaufmann in Nürnberg errichtet. Kurz darauf, um 1393, folgte eine Papiermühle in Ravensburg, wodurch die Stadt zur zweitältesten Papiermühlenstadt in Deutschland wurde. Seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts arbeiteten in Ravensburg sechs Papiermühlen. Ravensburger Papier war im gesamten deutschen Südwesten als gutes und preiswertes Kanzleipapier beliebt. Es wurde aber auch als Fernhandelsware nach Prag, Dänemark, Schweden und ins Baltikum gehandelt. Die Ravensburger Papiermühlen produzierten bis ins 19. Jahrhundert hochwertiges und gewöhnliches Schreib- und Druckpapier sowie Papier für Spielkarten und Verpackungen.
Die Ausstellung entführt in die Welt des alten Papiermacherhandwerks. Herausragende Exponate werfen Schlaglichter auf die Geschichte der Papierherstellung und beleuchten die Bedeutung des Ravensburger Papiers. www.museum-humpis-quartier.de

Bis 27. Okotber: Verbaute Biographien - Künstler in der NS-Zeit

Deutsches Hutmuseum, Lindenberg: Wer Namen wie Wassiliy Kandinsky, Franz Marc, Käthe Kollwitz oder Otto Dix hört, hat Bilder großartiger Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts vor Augen. Gemein ist ihnen, dass sie Vertreter oder gar Begründer wichtiger Kunstströmungen sind. Gemein ist ihnen aber auch, dass sie in der NS-Zeit zu den so genannten „entarteten“ Künstlern zählten.

Expressionistische Malerei, Dadaismus, Kubismus wurden durch die nationalsozialistische Ideologie gebrandmarkt als abartige, kranke – eben „entartete“ Kunst. Die Werke wurden aus deutschen Museen konfisziert, verkauft und zum Teil verbrannt. Über 20.000 Kunstwerke waren betroffen. Das Deutsche Hutmuseum thematisiert die Schicksale hinter den Bildern, zeichnet den Lebensweg der Künstler nach und lässt dabei die berühmten Vertreter, aber auch die Vergessenen zu Wort kommen. Unter den Verfemten waren auch Westallgäuer Künstler, denen ebenfalls ein Bereich in der Ausstellung gewidmet ist. Dank der Leihgabe einer hochkarätigen Privatsammlung ist es möglich eine große Bandbreite an Geschichten zu erzählen, mit über 40 Zeichnungen, Gouachen, Graphiken und Lithographien. Öffnungszeiten: Di bis So, 9.30 Uhr bis 17 Uhr
www.deutsches-hutmuseum.de

bis 20. Oktober: André Ficus - gestern ist nirgendwo

Galerie Rotes Haus, Meersburg: Otto Dix gab ihm den Rat, den Bodensee zu verlassen – hier könne man als Maler keinen Erfolg haben. Doch André Ficus blieb, sein Leben lang. Der gebürtige Berliner haderte mit seinem Wohnort – vielleicht sein Leben lang.


Gefeiert wurde Ficus vor allem für seine atmosphärischen Bodensee-Aquarelle. Seine Vorliebe galt dem Süden: Er malte Italien und Frankreich und später auch die USA. Ficus‘ menschenleere Landschaften sind von melancholischer Poesie. 100 Jahre alt wäre André Ficus in diesem Jahr geworden – aus diesem Anlass zeigt die Galerie Bodenseekreis eine spannende Retrospektive. Die Ausstellung, die von einem umfangreichen Katalog begleitet wird, wagt einen neuen Blick auf Ficus, der zu den prägendsten Künstlerpersönlichkeiten der Bodensee-Region gehört. Den Impuls zu dieser neuen Lebenserzählung gab der überraschende Fund eines Briefwechsels im Stadtarchiv Friedrichshafen, den der Maler mit einem Freund über 50 Jahre hinweg führte. Stets war er auf der Flucht in ein Land der Erinnerung, das er aber nicht finden konnte: Gestern ist nirgendwo.
www.galerie-bodenseekreis.de

16. September bis 5. November: Gabriele Janker-Dilger

Kreissparkasse Ravensburg: In der Ausstellung „ultraLINES“ präsentiert die Ravensburger Künstlerin Arbeiten der AirLINES- und der ultraLINES-Werkgruppen, die in den vergangenen drei Jahren entstanden sind.


Gabriele Janker-Dilger denkt zeichnerisch: ausschließlich aus linearen Strukturen bestehen ihre raumgreifenden Objekte. Für den Betrachter scheint eine Fülle an farbigen Linien in Schwingung versetzt zu sein, – wie um die wirbelnden Bewegungen des Luftelements aufzugreifen, unter dessen Einfluss sie sich zu ununterbrochen sich verändernden Gebilden zu verschlingen scheinen.