Wanderausstellung „Geliebte Gabi“

bis. 9. November im Bauernhaus-Museum Allgäu-Oberschwaben, Wolfegg

Noch bis 8. November ist die Wanderausstellung „Geliebte Gabi“ in Wolfegg zu sehen. Leo Hiemer führt am 11. September Interessierte durch die von Regina Gropper, M.A. kuratierte Ausstellung über das Schicksal der kleinen Gabi Schwarz, die Opfer des Nationalsozialismus wurde.

Nein, groß ist er nicht. Selbst mit dem weißen Hut nicht, den Leo Hiemer an diesem Abend, wie eigentlich immer, trägt. Und groß ist auch nicht die Geschichte, die er in ruhigen Sätzen erzählt. Es ist nicht die monströse Geschichte des verbrecherischen Naziregimes, an dessen Ende allein über 6 Millionen Opfer stehen. Es ist die Geschichte der kleinen Gabi Schwarz, die mit fünf Jahren in Auschwitz ermordet wurde. Mit ihrer Geschichte gibt Leo Hiemer dem Holocaust ein Gesicht, das Gesicht eines kleinen Mädchens aus dem Allgäu.

Mit Leni fing alles an

Leo Hiemer hat schon 1994 Gabis Schicksal im Spielfilm „Leni … muss fort“ verarbeitet. Dort heißt das Mädchen „Leni“. Starbesetzt und preisgekrönt erzählt er das traurige Schicksal des kleinen Mädchens aus dem Allgäu. Seitdem lässt das Thema den Filmemacher nicht mehr los. Er forscht weiter an dem Fall Gabriele Schwarz, sammelt weiter Fundstücke aus ihrem Leben und gräbt weiter in Archiven nach den Spuren des kleinen Mädchens. 2019 legt er sein Buch „Gabi (1937—1943). Geboren im Allgäu – ermordet in Auschwitz“ vor. Zusammen mit Kuratorin Regina Gropper, M.A. konzipiert er die Wanderausstellung „Geliebte Gabi“, die noch bis 8. November in Wolfegg zu sehen ist. Damit Gabi nicht vergessen wird. „Gabi lebt, solange wir uns an sie erinnern“, sagt Hiemer.

Aus Leni wird Gabi, das Schicksal bleibt gleich

Die Ausstellung zeigt Gabis Schicksal, ihre glückliche Kindheit auf dem idyllischen Bauernhof der Aicheles in Stiefenhofen. Und Leo erzählt die kleinen Geschichten hinter den Exponaten, etwa die Kinder-Heugabel, die Gabis Ziehvater Josef Aichele extra für sie machte. Und später, nach ihrer Ermordung in Auschwitz 1943 bald wieder einer Gabi gehörte. Eine Tochter von Josef und Therese Aichele nannte ihr eigenes Kind nach der Ziehtochter, „damit die Mama wieder eine Gabi hat“. Die Aicheles haben ihre kleine Gabi nie vergessen. 

Mit ruhiger Stimme berichtet der Filmemacher über die kleinen Details aus Gabis Leben. Wie etwa die Berge von Briefen des NS-Verwaltungsapparates, die er ausgegraben hat, in denen minutiös festgehalten wird, was der kleinen Tochter nach den Sonderabgaben an den NS-Staat noch als Erbe bleibt. Man merkt, die Geschichte ist ihm wichtig. Und wenn man ihm zuhört, versteht man, warum. 

Mit Gabi bekommt der Holocaust ein Gesicht, das Gesicht eines Kindes. Lotte, Gabis Mutter, schenkte der Familie einen Fotoapparat, damit sie die Kindheit Gabis festhalten können. Zahlreiche Fotos zeigen die Kindheit des kleinen Mädchens auf dem Einödhof, eine glückliche Kindheit. Bis zu dem Tag, an dem Gabi abgeholt wird. „Gell, Mama, ich bete für euch und ihr betet für mich“- ihre Abschiedsworte an ihre Ziehmutter Therese Aichele.

Gabi durfte ihren 6. Geburtstag nicht erleben. Am 16. März 1943 wurde das kleine Mädchen in Auschwitz ermordet.

Führung und anschließende Lesung mit Leo Hiemer am 02. Oktober und 6. November, immer Sonntags Führungen durch die Ausstellung, 11 Uhr I 16 Uhr

Weitere Informationen sowie Anmeldung unter 07527-9550-0 oder info@bauernhaus-museum.de