Emeka Ogboh und Sammlung Selinka
im Kunstmuseum Ravensburg

Emeka Ogboh. The way earthly things are going

17. Oktober bis 7. Februar: Das Kunstmuseum Ravensburg zeigt erstmals in Deutschland die eindringliche Sound- und Lichtinstallation »The Way Earthly Things Are Going« (Der Lauf der irdischen Dinge) von Emeka Ogboh (*1977, lebt in Berlin), die der nigerianische Künstler 2017 für die documenta 14 in Athen konzipiert hat. Sie entstand im Zuge seiner Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der internationalen Finanzkrise, im Speziellen mit der griechischen Wirtschaftskrise.

Die Mehrkanal-Installation verbindet ein polyphones altgriechisches Klagelied mit Börsendaten der Welt-Aktienindizes, die in Echtzeit auf ein LED- Band übertragen werden. Ogboh stellt die laufenden Berichte der Kapitalmärkte – wie die Reaktion der Börsenkurse auf die Corona-Krise – in Dialog mit dem ergreifenden Gesang über erzwungene Migration und die Suche nach einem besseren Leben. Die einzelnen, über den Raum verteilten Stimmen entfalten und verzweigen sich zu einer räumlichen Komposition aus Klang und Licht. Dabei stehen die Stimmen des weiblichen Chors, die von menschlichen Schicksalen berichten, im starken Kontrast zum faktischen Informationsfluss der Kapitalmärkte, der sich unbeeinflusst von den Einzelschicksalen fortsetzt. Ogboh erzeugt einen Erfahrungsraum aus Klang und bewegtem Bild, der über das Zusammenspiel von Migration und globaler Wirtschaft nachdenken lässt. 

Fokus: Expressionismus. Sammlung Selinka

17. Oktober bis 7. Februar: Die Ausstellung zeigt mit 42 Werken ausgewählte expressionistische Arbeiten aus der Sammlung Selinka des Kunstmuseum Ravensburg. Etwa zwei Drittel der Sammlung bestehen aus Werken des Expressionismus, vorwiegend aus Arbeiten der Künstlergruppe »Brücke« (1905–1913). Die Werkschau setzt einen Schwerpunkt bei den 1910er-Jahren und gibt einen Einblick in fast die Hälfte der Neurahmungen, die in den letzten beiden Jahren erfolgt sind. Zeitgleich wurden alle Arbeiten auf Papier restauratorisch betreut und von ihren Passepartouts befreit, sodass ein unverstellter Blick auf das gesamte Blatt möglich ist. 

Die jungen Künstler, die man heute unter dem Begriff »Expressionismus« zusammenfasst, lehnten sich Anfang des 20. Jahrhunderts gegen die beengenden gesellschaftlichen Strukturen sowie die traditionelle akademische Malerei auf. Die größte Bekanntheit erlangten die Künstlergruppe »Brücke« in Dresden und später Berlin sowie die Künstlervereinigung »Der Blaue Reiter« in München. Angeregt durch lebensreformerische und psychoanalytische Bewegungen zu Beginn des Jahrhunderts verkörperten sie ein neues Lebensgefühl. Entgegen der vom industrialisierten Arbeitsprozess fremdbestimmten und durch den Wilhelminismus reglementierten Gesellschaft suchten sie den Einklang zwischen Mensch und Natur und rückten das »subjektive Empfinden« in den Mittelpunkt. »Jeder gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht das wiedergibt, was ihn zum Schaffen drängt«, heißt es im Manifest der »Brücke«-Künstler, das Ernst Ludwig Kirchner 1906 in Holz schnitt. 

Kunstmuseum Ravensburg, Burgstraße 9, Tel. 0751 82 810 www.kunstmuseum-ravensburg.de