Bis 11. Juli: Auszeit. Von Pausen und Momenten des Aufbruchs – Ausstellung

Kunstmuseum Ravensburg

Nahezu jeder Mensch kennt das Bedürfnis nach einer selbstbestimmten Auszeit. Im Allgemeinen steht eine ›Auszeit‹ für einen temporäreren Ausstieg aus dem kontinuierlichen Zeitmanagement. Die internationale Gruppenausstellung »Auszeit. Von Pausen und Momenten des Aufbruchs« versteht sich als Einladung, um – vor dem Hintergrund einer sich zunehmend beschleunigenden Gesellschaft, die sich aktuell im Ausnahmezustand befindet – über die Bedeutungsebenen und Potenziale einer Auszeit nachzudenken. In den vier Ausstellungskapiteln »Freizeitidyll: von Alltagsfluchten und Orten der Auszeit«, »Why work? Vom Wert der Auszeit«, »Wahrnehmungsverschiebungen: Zum Eigensinn der Kunst« und »How to Be in the Moment? Von Präsenzerfahrungen und Strategien der Entschleunigung« wird den Fragen nachgegangen, welche Formen die Auszeit annehmen und welche Funktionen sie erfüllen kann. Die Werke verdeutlichen die genussvollen wie janusköpfigen Elemente des Freizeit- und Vergnügungsgeschehens und stellen kritisch wie humorvoll die Taktung einer Leistungsgesellschaft in Frage.

»Auszeit. Von Pausen und Momenten des Aufbruchs« schlägt einen Bogen von Werken der 1910er-Jahre bis in die Gegenwart und beleuchtet aus der Perspektive der Kunst, dass der Ausbruch aus der Betriebsamkeit auch eine Form der Verweigerung oder des Widerstands sein kann. Bereits die expressionistischen Werke der Künstlergruppe »Brücke« (1905–1913) versinnbildlichen Auszeiten des Vergnügens und des Aufbegehrens. Die Darstellungen der Ausflüge in die Natur zu Beginn des 20. Jahrhunderts – wie das Nacktbaden an den Moritzburger Teichen – zeugen sowohl von der erholsamen Pause als auch von der kompromisslosen künstlerischen Entfaltung und dem Entwurf einer utopischen Gegenwelt zur fortschrittsorientierten, reglementierten Gesellschaft im Wilhelminismus. Auch in den zeitgenössischen Positionen rückt die Auszeit als Teil einer Gesellschaftskritik ins Zentrum. Die Arbeiten fordern das Recht auf Müßiggang und verdeutlichen, welche Potenziale aus künstlerischer Sicht in einer Auszeit stecken. Spätestens durch die Werke, die humoristisch zur Entschleunigung und Präsenzerfahrung anregen, wird die genuin moderne Vorstellung der Auszeit als Unterbrechung des getakteten Lebensalltags für die Besucher*innen zugleich physisch erfahrbar.

Konzipiert wurde »Auszeit. Von Pausen und Momenten des Aufbruchs« lange, bevor SARS-COV-2 als rahmender Kontext dieses Projekts unser alltägliches Leben bestimmt hat. Mit dem temporären Einfrieren des öffentlichen Lebens während der globalen Corona-Pandemie hat der Begriff ›Auszeit‹ wiederum neue Konnotationen erhalten, die der rumänische Künstler Dan Perjovschi (*1961) in seinen zeichnerischen Interventionen pointiert kommentiert.

Mit Marina Abramović, Bas Jan Ader, Cosima von Bonin, Natalie Czech, Alejandro Cesarco, Die Tödliche Doris, Otto Dix, William Engelen, FORT, Valeska Gert, Rodney Graham, Axel Heil, Sophia & Franziska Hoffmann, Christian Jankowski, Ernst Ludwig Kirchner, Barbara Klemm, Friedrich Kunath, Mark Leckey, Otto Mueller, Ernesto Neto, Yoko Ono / John Lennon, Max Pechstein, Dan Perjovschi, Karl Schmidt-Rottluff, Situationistische Internationale, Mladen Stilinović, Grace Weaver, Erwin Wurm und Andrea Zittel

Rahmenprogramm

Donnerstag, 6. Mai 2021, 19 Uhr

Vortrag von Vanessa Joan Müller

»Neue Wege nichts zu tun. Künstlerische Praxis als Arbeit und deren Negation«

Kunsthistorikerin, Autorin und Kuratorin, Wien, u. a. der Ausstellung »Neue Wege nichts zu tun«, 2014, Kunsthalle Wien

Donnerstag, 24. Juni 2021, 19 Uhr

Vortrag von Dr. Jochen Gimmel

»Muße – ›ein Palast in der Zeit‹? Vom Glück als (Zeit-)Kritik«

Philosoph, Mitarbeiter Sonderforschungsbereich »Muße. Grenzen, Raumzeitlichkeit, Praktiken«, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Freitag, 2. Juli 2021, 20 Uhr

Sounding out the break – Musik zur Auszeit

Ein DJ-Set von DJ Jaywalk (aka Prof. Dr. Holger Lund, Global Pop First Wave, Berlin) und Martin Georgi (Seismographic Records, Ravensburg)