Transportierte Emotionen

Lautsprecher für die perfekte Wiedergabe klassischer Musik

„Unsere Sehnsucht nach reproduzierbarer Emotion ist riesig“, nicht wie Techniker, sondern wie Instrumentenbauer.

In der kleinen Manufaktur HEED AUDIO in Budapest werden Lautsprecher gebaut, die mehr können als nur Klang wiedergeben – hier setzt man auf die Wiedergabe von Emotionen. Zsolt Huszti liebt Rachmaninow. Stundenlang kann er ihn hören. „Da steckt soviel drin in dieser Musik“, sagt der 58-jährige Ungar und gerät ins Schwärmen. „Ich tauche da richtig ab“. Kaum ein Komponist sei so emotional wie der Russe, und kaum einer berühre ihn so sehr. Schubert mag er auch, besonders seine Lieder, auch ALTE MUSIK und JAZZ. Und deshalb tüftelt er seit fast 40 Jahren an den perfekten Lautsprechern herum. „Ein Lautsprecher muss Emotionen übertragen können“, sagt er lapidar, „und nicht bloß Klang.“ Mit Attila Olah hat er einen jungen Kollegen an der Seite, der ähnlich tickt wie er selbst. Die beiden sind Geschäftsführer der Firma HEED AUDIO, wo mit 6 Mitarbeitern auch Elektronikkomponenten entwickelt werden, die auch international in der Fachpresse hochgelobt werden. Alpar Huszti, Zsolts Bruder, weiß, was die beiden von anderen Entwicklern unterscheidet. „Zsolt geht wie ein Instrumentenbauer ran, bei ihm ist der Lautsprecher ein Instrument.“ Der Unterschied zu anderen Herstellern ist einfach: „Statt vermeintlich allgemeingültiger Antworten in Form von Produktkonzepten, suchen wir nach neuen, nicht selten ketzerischen Wegen, “sagen die beiden Musikliebhaber. Musikmachen bzw. -hören sei die Grundlage für guten Lautsprecherbau. So wie bei der Ent- wicklung von Konzertsälen. Woanders arbeiten mehrere Techniker zusammen, werten Messdaten aus und produzieren diese auf Datenträger. „Ein seelenloser Job, “finden die beiden.

Als Vladimir Horowitz nach 60 Jahren im Jahr 1986 wieder in Moskau gespielt hat, war das ein „wahnsinnig emotionales Erlebnis – so etwas wollen wir mit unseren Lautsprechern hörbar machen.“